Ferdinand Stöppel neuer Leiter im Dorfschulmuseum Riege
Manfred Schneider tritt nach 12-jähriger verdienstvoller Tätigkeit ab:
Besucherzahlen nach wie vor hoch / Unterstützung bei Archivierungsarbeiten gesucht
Wechsel in der Leitung: Ferdinand Stöppel (65) – seit fünf Monaten Vorsitzender der „Dorfgemeinschaft Hövelriege/Riege e.V.“ – hat jetzt den symbolischen Staffelstab als Leiter des Rieger Schulmuseums übernommen. Er löst Manfred Schneider (77) ab, der dieses Amt seit 2000 innehatte und sich in der Funktion große Verdienste um die Entwicklung dieses einzigartigen Kleinods in Riege erworben hat. So hat der rührige Ex-Rektor der Hövelhofer Kirchschule, der selbst bis 1968 in der alten Rieger Schule Unterricht erteilte, in seinem Ruhestand sein Herz für den Beruf neu entdeckt: Aus seinem Ruhestand wurde sehr schnell ein selbst gewählter Unruhestand, der „seiner“ alten Schule sehr gut getan hat. Manfred Schneider begann zu ordnen, zu sichten und zu sortieren. Die Original-Unterrichtsstunde nach der Preußischen Schulordnung aus dem Jahr 1872 geht auf ihn zurück – der erste einzigartige historische Unterricht wurde im Jahr 2000 erteilt.
Dabei war er zunächst Einzelkämpfer, 2005 kam Ex-Realschullehrer Lutz Grönert hinzu und 2008 der ehemalige Rektor der Hövelhofer Mühlenschule, Manfred Robrecht. Zusammen mit dem neuen Leiter, Ferdinand Stöppel, bilden die vier das Lehrerteam.
Allein die Zahlen beeindrucken: 425 Gruppen, rund 8.500 Besucher – Gruppen aus dem In- und Ausland mit dem Schwerpunkt auf der heimischen Region. Zu den illustren und weit gereisten Gästen zählte zum Beispiel ein Abt vom schwarzen Kontinent, der in Afrika eine Schule aufbauen wollte. Der aktuelle Trend zeigt, dass sich die jährliche Besucherzahl bei 3.000 einpendelt – rund 70 Prozent sind Erwachsene, 30 Prozent Schüler.
Eigentlicher Gründer des Museums ist der bereits 1999 verstorbene Ex-Rektor der Senneschule Wolfgang Paul. Nach dem Tod der Lehrer-Witwe Antonie Wilhelms im Jahr 1993 hat Paul die ersten Exponate für das im Eigentum der Gemeinde Hövelhof stehende Schulhaus zusammen getragen und die Schulmuseums-Idee umgesetzt.
Der neue Museumsdirektor Ferdinand Stöppel ist in Mastholte (heute Stadt Rietberg) geboren, zuletzt hat er in Bielefeld gewohnt und war dort bis zu seiner Pensionierung vor drei Monaten am Carl-Severing-Berufskolleg als Lehrer tätig. Erst seit knapp drei Jahren ist er in Riege wohnhaft. Seine wichtigste Aufgabe, die ihm besondere Freude bereitet, ist die Koordinierung der Besucheranfragen. Aber sein Blick und die Planungen gehen schon weiter: 2015 steht das 200-jährige Jubiläum des Schulgebäudes bevor. „Wir freuen uns, wenn uns ehemalige Schüler Unterlagen für eine Dokumentation überlassen würden, seien es Fotos, Zeugnisse oder sonstige Dokumente. Die Originale geben wir natürlich zurück“ verspricht er. Überhaupt möchte der neue Leiter die Bürgerinnen und Bürger in die Arbeit der Museumslehrer einbeziehen: Wer also Materialien aus dem Schulbereich im weitesten Sinne etwa bei der Entrümpelung von Speicher oder Keller entdeckt, kann sich gern mit Ferdinand Stöppel in Verbindung setzen. Eine wahre Sisyphosarbeit kommt auf das Museum in Sachen Archivierung zu, gilt es doch 3.000 Bücher zu katalogisieren. Hinzu kommen die alten Gerätschaften aus dem Schulbereich. „Vielleicht möchte ja ein Student einmal eine Seminar- oder Diplomarbeit schreiben. Zum Fundus des Rieger Schulmuseums gehört zum Beispiel ein nennenswerter Bestand von Büchern aus der Zeit des Nationalsozialismus“ wirbt der Museumsdirektor.
Ein weiterer Aufgabenschwerpunkt des Museums ist der ebenfalls historische Schulgarten, der neu beackert und durch ein Gartenteam demnächst neu gestaltet werden soll.
Stichwort historisch: Der Schulglocke auf dem Schulhaus kommt dieses Prädikat ebenso zu wie dem „Goldenen ABC“ im Flur des Schulhauses – Sinnsprüche und Lebensweisheiten – einmalig in Westfalen – die 1950 bei Malerarbeiten zufällig wiederentdeckt wurden. Sie spiegeln die Denkweise und die Auffassungen zur Erziehung des 19. Jahrhunderts. Es entstand zwischen 1856 und 1889, als Albert Köring Lehrer an der Rieger Schule war.
Museumsbesucher erwartet in diesem im besten Wortsinne „Aushängeschild Rieges“ neben der historischen Unterrichtsstunde nach der Preußischen Schulordnung von 1872 die Vermittlung eines Überblicks der deutschen Schulgeschichte. „Unser Unterricht ist nicht so ernst wie das auf den ersten Blick ausschaut. Bei uns darf auch gesungen und gelacht werden“ unterstreicht das Team. Nach Absprache werden für Gruppen auch Kaffee und Kuchen angeboten.
Interessierte können sich an Ferdinand Stöppel, Neuer Weg 1a, Telefon (05257) 9380174. wenden.
Weitere Informationen gibt es unter Dorfschulmuseum und auf den Seiten der Gemeinde Hövelhof zu den lokalen Sehenswürdigkeiten.